Tabacum

Tabacum
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Alles über Homöopathie & Globuli: Das sollten Sie über Tabacum und dessen homöopathische Wirkung und Anwendung wissen:

Lateinischer Name Tabacum
Deutsche Bezeichnung Tabak
Synonyme Tabak, Indianischer Beinwell, peruanisches Bilsenkraut, Heil aller Welt, Königinkraut, Nicotiana tabacum
Familie Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Material der homöopathischen Arznei Getrocknete, nicht fermentierte Blätter

 

Die Tabakpflanze gehört wie die Tollkirsche (Belladonna) oder Bittersüß (Dulcamara) zur Pflanzenfamilie der giftigen Nachtschattengewächse (Solanaceae).

Im Bereich der Homöopathie wirkt die Tabakpflanze auf das vegetative Nervensystem mit seinen lebenswichtigen Vitalfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel zur Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts im menschlichen Organismus. Der Wirkungsbereich des homöopathischen Mittels umfasst also den Magen-Darm-Trakt und das Herz-Kreislaufsystem, die endokrinen (hormonellen) und exokrinen Drüsen, z.B. Schweißdrüsen sowie die Sinnesorgane Augen und Ohren. Zu den Hauptanwendungsgebieten von Tabacum gehören Beschwerden von Herz und Kreislauf mit Ohnmachts- und Kollapszuständen, schmerzhaften Engegefühl in der Herz- und Brustgegend (Angina pectoris), Bluthoch- oder Blutniedrigdruck (Hyper- oder Hypotonie), Schwindel (Vertigo), Hyperventilation, Verdauungsbeschwerden mit Übelkeit, Erbrechen, krampfartigen Magen-Darm-Schmerzen, Durchfällen (Diarrhoen) oder Verstopfung (Obstipation). Zu den Anwendungsbereichen, die u.a. mit Magen-Darm-Symptomen einhergehen, gehören außerdem die See- und Reisekrankheit, Kopfschmerzen und periodisch auftretende Migräne oder Schwangerschaftserbrechen (Emesis gravidarum) mit ausgeprägter Schwäche und Schwindelgefühlen. Tabacum gehört mit zu den wichtigsten homöopathischen Mitteln bei Seekrankheit und Beschwerden mit dem Verdauungsapparat.

Charakteristisch für das Mittel ist das meist plötzliche Auftreten der Beschwerden mit auffallender Gesichtsblässe und dem Gefühl eisiger Kälte mit kalten Schweißausbrüchen am ganzen Körper. Trotz des ausgeprägten Kältegefühls verlangen Tabacum-Menschen nach frischer Luft und möchten ihren Körper freilegen. Die beschriebene Symptomatik dürfte Rauchern bekannt sein, denn sie entspricht den Reaktionen beim Rauchen der ersten Zigarette oder bei einer Überdosierung von Nikotin.

Vom äußeren Erscheinungsbild sehen Tabacum-Menschen abgemagert, blass und entkräftet mit hohlen Wangen aus. Sie wirken häufig niedergeschlagen und fühlen sich unwohl. Die typischen Tabacum-Beschwerden verschlechtern sich bei der geringsten oder passiven Bewegung (Schiff- oder Autofahren), durch extreme Hitze oder Kälte, in warmen Räumlichkeiten, in den Abendstunden, beim Rauchen sowie beim Liegen. Eine Verbesserung der Beschwerden wird hingegen an frischer Luft, durch kühle Anwendungen, beim Abdecken und Ausziehen, nach dem Erbrechen und in der Dämmerung erfahren.

Zur Herstellung der homöopathischen Arznei werden die getrockneten, nicht fermentierten Blätter der Tabakpflanze mit dem Hauptinhaltsstoff Nikotin verwendet.

Tabacum: Botanischer Steckbrief

Heimisch ist das einjährige und klebrig behaarte Kraut Tabacum aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) in Südamerika, wird aber inzwischen weltweit kultiviert. Es wird vermutet, dass der Name Tabak von der Karibikinsel Tobago oder der mexikanischen Provinz Tabasco stammt. Der Gattungsname „Nikotiana“ hingegen soll an einen französischen Diplomaten mit dem Namen Jean Nicot (1530 – 1600) erinnern, der als Erster die Pflanze im Jahr 1560 in Europa anpflanzte und damit das Rauchen einführte. Unter den Tabakpflanzen ist der Virginische Tabak die bekannteste Pflanze. Aus dem Wurzelstock wächst ein zwei bis drei Meter hoher, behaarter, mit Drüsen versehender und wenig verästelter Pflanzenstängel. Die ovalen, lanzettlichen Blätter erreichen im unteren Bereich eine Länge bis zu 50 Zentimeter.

In der Blütezeit von Juni bis September erscheinen die in Rispen angeordneten, kaminroten, weißen oder pinken, glocken- und trichterförmigen Blüten mit 15 bis 20 Millimeter langen Kapselfrüchten, die kleine und netzartig gewellte Samen enthalten.

Der Hauptwirkstoff der giftigen Tabakpflanze ist das farblose, wasserlösliche Alkaloid Nikotin mit seinem betäubenden Geruch. Aus getrockneten Pflanzenblättern werden Zigaretten, Zigarren oder Pfeifentabak hergestellt. Tabak gehört zu den legalen, abhängig machenden Drogen mit einer Wirkung auf den Körper und Gefühle des Menschen. In kleinen Dosen entfaltet das Nervengift Nikotin eine entspannende, kreislaufanregende und beruhigende Wirkung, vermindert Hungergefühle und kann das Selbstbewusstsein steigern. Eine Überdosis Nikotin führt jedoch zu einer Nikotinvergiftung.

Vergiftungsbild von Tabacum

Tabak wird weltweit als Genussmittel hautsächlich in Form von Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen konsumiert und kann geraucht, geschnupft oder gekaut werden. Der Konsum macht aufgrund der enthaltenden Giftstoffe wie z.B. das Alkaloid und Nervengift Nikotin sehr schnell abhängig. Kommt es zu einer Überdosierung von Nikotin, treten folgende Vergiftungssymptome bis hin zum Tod in Erscheinung: Zunächst treten als Allgemeinsymptome verstärkter Speichelfluss, Übelkeit, Erbrechen, Koliken, Durchfall, Schwindel, Schweißausbruch, kalte und blasse Haut sowie Kopfschmerzen auf. Hinzu kommen Krämpfe, Bewusstseinseintrübungen, Sehstörungen, Lähmungen und Synkopen (Ohnmachten), Herzrhythmusstörungen, Herzklopfen, ein zu langsamer Herzschlag (Bradykardie), Brustbeklemmungen sowie Atemnot bis hin zu Schocksymptomen. Tödlich eingenommene Dosen führen zu einer Atemlähmung in nur wenigen Minuten. Das Nervengift Nikotin kann bereits ab einer oral verzehrten Menge von 30 bis 60 Milligramm eine tödliche Wirkung entfalten. Vergiftungen treten üblicherweise nicht durch Rauchen auf, da das meiste Nikotin verbrannt wird. Im Falle einer Nikotinvergiftung muss schnellstmöglich der Notarzt gerufen werden. Zu den Allgemeinmaßnahmen gehören: Personen beruhigen, Erbrechen lassen, beengte Kleidung öffnen und Körper zudecken.

Tabacum in der Volksmedizin

Das Rauchen von Pfeifen war nach archäologischen Funden scheinbar schon in der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) gebräuchlich. Statt Tabak dienten damals allerdings Kräuter wie Alant, Majoran und Lavendel als Rauchwaren. Auch den südamerikanischen Ureinwohnern war das Tabakrauchen seit jeher bekannt. Die Maya setzten Tabak aber auch zur Behandlung von Krampfanfällen, Asthma und Hautproblemen ein und bei nordamerikanischen Indianern hatte das Tabakrauchen in Form der „Friedenspfeife“ kultische Bedeutung. Die erstem Tabaksamen gelangten etwa im Jahre 1560 nach Frankreich. Nach dem Anbau durch den französischen Diplomaten Nicot (1530 – 1600) begann das Tabakrauchen auch in Europa. Die Tabakpflanze wurde in Mitteleuropa zunächst als Heilpflanze eingesetzt, später diente sie hauptsächlich als Genussmittel. Der deutsche Arzt und Botaniker Tabernaemontaus (1522 – 1590) empfahl in seinem Kräuterbuch die Tabakpflanze bei verschiedenen Beschwerden wie Zahnschmerzen, Husten, Wassersucht, Geschwülsten und Flechten. Aufgrund der bekannten und auch belegten gesundheitsschädlichen Wirkung des giftigen Nikotins und der Gefahr vor möglichen Nikotinvergiftungen kommt Tabacum in der heutigen Volksmedizin nicht mehr zum Einsatz. Die Pflanze wird heute weltweit vor allem zur Herstellung von Insektiziden und Zigaretten kultiviert. Lediglich im Bereich der Homöopathie in Form von potenzierten und damit nebenwirkungsfreien Mitteln wird Tabacum gerne bei den entsprechenden Beschwerden verwendet.

Tabacum: Krankheitsbilder und Hauptanwendungsbereiche

Bei folgenden Krankheitsbildern und Anwendungsbereichen kann sich der Einsatz des homöopathischen Mittels Tabacum positiv auf die Beschwerden auswirken.

Reisekrankheit: Seefahrt und Reisen

Zu den wichtigsten Anwendungsbereichen von Tabacum gehört die Reise, See- und Luftkrankheit, wenn aufgrund von ungewohnten, passiven Bewegungen, z.B. auf einem Schiff Befindlichkeitsstörungen entstehen. Die typischen Tabacum-Beschwerden sind eine starke, elendige Übelkeit mit flauen Magenschmerzen und Erbrechen, sowie Schwindelgefühle, die von kaltem Schweiß am ganzen Körper mit eiskalten Händen, extremer Leichenblässe und ausgeprägter Erschöpfung bis hin zur Bewusstlosigkeit begleitet wird. Währenddessen verspüren Betroffene ein ständiges Verlangen, ihren Speichel herunter zu schlucken. Die Beschwerden der Reisekrankheit werden durch das Schließen der Augen oder an frischer Luft an Schiffsdeck und durch Erbrechen gelindert. Auch dunkle Räume können zu einer Verbesserung des Zustandes führen. Die geringste Bewegung oder das Öffnen der Augen gehen hingegen mit einer sofortigen Verschlechterung der Symptome und erneutem Erbrechen einher. Bei bekannter Reisekrankheit sollte das homöopathische Mittel bereits eine bis zwei Stunden vor Reiseantritt eingenommen werden.

Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung

Tabacum ist eines der wichtigsten homöopathischen Mittel bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes. Eine typische bei Tabacum als tödlich empfundene Übelkeit geht mit ausgeprägter Blässe, kaltem Schweiß auf der Stirn und starkem Kälteempfinden am gesamten Körper einher. Trotz der gefühlten Eiseskälte bei Tabacum, besteht das Verlangen nach Kühle und Abdecken des Körpers. Weiter kann es zu heftigem Erbrechen kommen, dass sich durch die geringste Bewegung verschlimmert und ein erneutes Erbrechen hervorruft. Sowohl das Erbrechen als auch eine absolute Ruheposition können zu einer Verbesserung und Linderung der Symptome führen. Gleich nach dem Erbrechen besteht bei Tabacum-Menschen wieder Appetit und das Bedürfnis, etwas zu essen. Begleitend zur Übelkeit mit heftigen Erbrechen tritt zudem eine ausgeprägte Schwäche in Erscheinung bis hin zur Ohnmacht. Die Bauchmuskulatur ist aufgrund des heftigen Erbrechens sehr schmerzhaft. Im Rahmen einer Chemotherapie, bei Reisekrankheit oder Magen-Darm-Infekten sollte immer an das homöopathische Mittel Tabacum gedacht werden.

Beschwerden im Darmbereich zeigen sich bei Tabacum in Form von wässrigen Durchfällen mit dicken, klumpigen Schleimbeimengungen. Die Farbe des Stuhls ist typischerweise gelbgrün und die Durchfälle schießen plötzlich aus dem Rektum heraus. In einigen Fällen können auch Teile des Rektums hervortreten (Rektumprolaps), weil die Schließmuskulatur nicht mehr ausreichend schließt. Es kann bei Tabacum aber auch vorkommen, dass die Darmbewegung (Peristaltik) gelähmt ist und Verstopfungen (Obstipation) auftreten.

Herz-Kreislaufbeschwerden, Durchblutungsstörungen, Schwindel

Zu den Hauptanwendungsgebieten des homöopathischen Mittels gehören verschiedene Beschwerden des Herz-Kreislaufsystems. Beschwerden des Herzens können sich durch starkes Herzklopfen mit Beklemmung und unstetem ungleichmäßigem Herzschlag bemerkbar machen. Symptome wie heftiges Herzklopfen verschlechtern sich durch Liegen auf der linken Seite und Herzschmerzen können typischerweise vom Brustbein in die Umgebung ausstrahlen. Weitere Beschwerden des Herzens, für die Tabacum infrage kommt, sind ein schmerzhaftes Engegefühl in der Herz- und Brustgegend mit heftigem Herzklopfen und plötzlicher Todesangst (Angina pectoris), Herzbeklemmung mit schwachem und unregelmäßigem Puls, Bluthoch- oder Blutniedrigdruck (Hyper- oder Hypotonie), Schwindel oder Hyperventilation mit schneller, unregelmäßiger und ängstlicher Atmung. Bei Kreislaufbeschwerden und Kollapsneigung mit kalten Schweißausbrüchen an der Stirn oder am gesamten Körper, Schwindelgefühlen und Brechreiz bis hin zur Ohnmacht kann sich Tabacum als ebenfalls als ein sehr nützliches Mittel erweisen. Charakteristisch ist, dass Betroffene unter einem ausgeprägten Kältegefühl leiden, trotzdem aber das Verlangen nach frischer Luft oder Abdecken des Körpers verspüren.

Beschwerden des Kopfes: Migräne und Kopfschmerzen

Zu den weiteren Anwendungsgebieten von Tabacum gehören auch Beschwerden des Kopfes, wie periodisch auftretende Migräneanfälle, die ein oder zwei Tage anhalten können und mit drückenden Kopfschmerzen, heftigster Übelkeit und Erbrechen sowie mit Schwindelgefühlen und einer außerordentlichen Schwere im Kopf einhergehen. Die Migräne beginnt typischerweise am frühen Morgen und wird um die Mittagszeit als unerträglich empfunden. Erbrechen führt zu einer kurzzeitigen Besserung der Beschwerden, Licht und Geräusche werden hingegen gar nicht ertragen und führen auch dementsprechend zu einer Verschlechterung des Zustandes. Die drückenden Kopfschmerzen erscheinen plötzlich wie ein Hammerschlag aus heiterem Himmel, werden aber an frischer Luft besser. Der begleitende starke Tabacum-Schwindel geht mit viel kaltem Schweiß und totenähnlicher Blässe einher und verschlimmert sich durch das Öffnen der Augen.

Beschwerden der Sinnesorgane, Ohr- und Augenbeschwerden

Im Bereich der Ohren sollte an Tabacum gedacht werden, wenn Symptome wie Ohrensausen und Ohrenstechen bei Musik auftreten. Zu dem Hauptanwendungsbereich gehört jedoch eine Erkrankung des inneren Ohres mit dem Namen Morbus Meniere. Das Krankheitsbild zeigt drei typische Symptome, die so genannten Meniere´schen Trias: plötzliche Anfälle von Drehschwindel, die über Stunden andauern können, Hörverlust und Phantomgeräusche (Tinnitus). Zusätzlich können Beschwerden wie Druckgefühle im Ohr, Erbrechen und zunehmende Schwerhörigkeit des betroffenen Ohres auftreten.

Augenbeschwerden und Sehstörungen gehören auch zum Anwendungsgebiet des Homöopathikums. Betroffene leiden unter verschwommenem, trübem Sehen wie durch einen Schleier oder sehen Doppelbilder. Auch beim Schielen (Strabismus) aufgrund einer Hirnerkrankung kann das homöopathische Mittel Tabacum unterstützend zum Einsatz kommen.

Leitsymptome des homöopathischen Mittels Tabacum

Menschen, die das homöopathische Mittel Tabacum benötigen, zeigen folgende Leitsymptome:

Übelkeit, Schwindel und Erbrechen, See- oder Reisekrankheit

Zu den Leitsymptomen von Tabacum gehören eine tödlich empfundene Übelkeit und heftigstes Erbrechen mit Schwindelgefühlen und kalten Schweißausbrüchen. Diese Symptome entsprechen auch den Erscheinungen, die typischerweise bei See- oder Reisekrankheit im Zusammenhang mit passiver Bewegung wie im Auto oder auf dem Schiff auftreten können.

Kreislaufschwäche, Schwindelgefühle und große Schwäche

Des Weiteren gehört Tabacum zu den typischen Mitteln, die bei Kreislaufschwäche mit Leichenblässe eingesetzt werden, wenn Betroffene sich sterbenselend fühlen und unter starken Schwindelgefühlen mit ausgeprägter Schwäche leiden. Der Schwindel verschlimmert sich typischerweise, sobald die Augen geöffnet werden, der Schwäche- und Entkräftungszustand kann bis zur Ohnmacht führen.

Schmerzen und Engegefühl im Brust- und Herzbereich (Angina pectoris), Herzklopfen

Tabacum-Beschwerden des Herzens zeigen sich durch starkes Herzklopfen mit Beklemmung und unstetem Herzschlag. Symptome wie heftiges Herzklopfen verschlechtern sich durch Liegen auf der linken Seite und Herzschmerzen können typischerweise vom Brustbein in die Umgebung ausstrahlen. Weiteres Leitsymptom ist ein schmerzhaftes Engegefühl in der Herz- und Brustgegend mit heftigem Herzklopfen und plötzlicher Todesangst (Angina pectoris).

Extreme Kälte des Körpers, Blässe und ausgeprägte Erschöpfung

Weitere Leitsymptome von Tabacum sind ein stark ausgeprägtes Kältegefühl am gesamten Körper mit extrem kalten, zittrigen Gliedern und kalten Schweißausbrüchen besonders im Stirnbereich. Auffällig ist zudem ein leichenblasses bis grünliches Gesicht und starke Erschöpfungserscheinungen bis hin zur Ohnmacht. Trotz des Kälteempfindens besteht ein starkes Verlangen nach frischer Luft und freiem Körper.

Reichliche Absonderungen von Schweiß, Tränen und Speichel

Charakteristisch für das Mittel Tabacum sind die reichlichen Absonderungen, die begleitend zu den Beschwerdebildern auftreten können. Vermehrte Absonderungen von Schweiß, Tränen, Speichel oder auch Erbrochenem sind nicht nur von heftiger und starker, sondern auch von reichlicher Natur.

Migräne mit starker Übelkeit, Erbrechen und Schwindel

Migräneanfälle treten periodisch auf, halten bis zu zwei Tagen an und gehen mit drückenden Kopfschmerzen, heftigster Übelkeit und Erbrechen sowie mit Schwindelgefühlen und einer außerordentlichen Schwere im Kopf einher. Erbrechen führt zu einer kurzzeitigen Besserung, Licht und Geräusche hingegen zu einer Verschlechterung des Zustandes.

Magen-Darmbeschwerden mit Durchfall oder Verstopfung

Beschwerden im Darmbereich zeigen sich bei Tabacum in Form von wässrigen Durchfällen mit dicken, klumpigen Schleimbeimengungen. Die Farbe des Stuhls ist typischerweise gelbgrün und die Durchfälle schießen plötzlich aus dem Rektum heraus. Es kann bei Tabacum aber auch vorkommen, dass die Darmbewegung (Peristaltik) gelähmt ist und Verstopfungen (Obstipation) auftreten.

Gemütssymptome bei Tabacum

Niedergeschlagenheit, Vergesslichkeit, Unzufriedenheit, Nervosität, Unruhe

Menschen, die das homöopathische Mittel Tabacum benötigen, sind häufig sehr verzagte, niedergeschlagene, unzufriedene und gleichgültige Personen, die sich elendig und erbärmlich fühlen. Es besteht eine Neigung zum Weinen und allgemein besteht eine Unruhe, die sich in Form von Schlaflosigkeit und unruhigen Nächten mit Angstträumen zeigen kann.

Sind Tabacum-Menschen erkrankt, fühlen sie sich sehr geschwächt und ausgelaugt, sind ohne Hoffnung aus eine Verbesserung ihres Zustandes und werden dadurch unzufrieden und schlecht gelaunt.

Konzentrationsschwäche, schlechte Auffassungsgabe

Tabacum-Menschen sind sehr vergesslich und verwirrt, haben eine schlechte Auffassungsgabe und können sich nur schlecht auf gewissen Dinge konzentrieren.

Ängste und Panikattacken

Tabacum passt zu Menschen, die unter schrecklichen Angstzuständen leiden. So besteht eine ständige Angst, jemand Fremdes wolle ihn verfolgen, einsperren oder ermorden. Auffällig sind außerdem Panikattacken und Angstzustände, die in regelmäßigen Abständen auftreten können.

Modalitäten bei Tabacum

Verschlechterung der Beschwerden

  • Extreme Hitze oder Kälte, warme Räume
  • Passive Bewegung (Schiffsfahrt oder Fahren mit anderen Fahrzeugen)
  • Abends
  • Liegen, Liegen auf der linken Seite (Herzsymptomatik)
  • Zigarettenrauch, Rauchen

Verbesserung der Beschwerden

  • Frische Luft, Kälte, kühle Umschläge
  • Abdecken, aufgedeckter Bauch
  • Weinen, Erbrechen
  • Dämmerung

Auslöser der Beschwerden bei Tabacum

  • Passive Bewegungen, Reisen mit dem Schiff oder anderen Fahrzeugen
  • Tabakgenuss
  • Körperliche und emotionale Anstrengungen

Tabacum in der Schwangerschaft und Stillzeit

Grundsätzlich werden homöopathische Mittel während der Schwangerschaft und Stillzeit gut vertragen und Nebenwirkungen bleiben weitestgehend aus. Tabacum kommt bei Schwangeren hauptsächlich in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten (1. Trimenon) bei unstillbarem, übermäßigem und anhaltendem Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum) sowie bei dem häufig vorkommenden „normalen“ morgendlichen Schwangerschaftserbrechen (Emesis gravidarum) zum Einsatz, wenn sie über den ganzen Tag und in der Nacht auch bei leerem Magen ständig erbrechen müssen. Üblicherweise klingen die heftigen Beschwerden nach der 14. Schwangerschaftswoche wieder ab, in selten Fällen haben schwangere Frauen aber auch bis zur Geburt mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen. Bei der heftigeren ersten Form von Schwangerschaftserbrechen, bei Hyperemesis gravidarum, sollte schnellstmöglich der fachkundige, behandelnde Arzt kontaktiert werden, der eine entsprechende Behandlung gewährleistet. Das homöopathische Mittel Tabacum kann hier unterstützend eingesetzt werden oder sich bei dem klassischen morgendlichen Schwangerschaftserbrechen als sehr nützliches Homöopathikum erweisen. Auch wenn sich schwangere Frauen sehr elendig fühlen, blass und kaltschweißig sind und jede kleine Bewegung zu erneutem Erbrechen führt, sollte an eine Behandlung mit Tabacum gedacht werden.

Tabacum für Kinder

Tabacum kann in jedem Lebensalter angewendet werden. Bei Säuglingen, Babys und Kindern ist Tabacum ein wichtiges homöopathisches Mittel bei Reise- und Seekrankheit mit tödlich empfundener Übelkeit, Schwindel und Erbrechen bei der geringsten Bewegung sowie bei Durchfällen (Diarrhoe). Der Körper der Kinder ist sehr kaltschweißig und es besteht zudem eine ausgeprägte Kraftlosigkeit und Schwäche. Kinder möchten, dass die Fenster geöffnet werden und dass der Bauch unbedeckt ist. Der Tabacum-Durchfall zeigt sich mit charakteristischen grünen und schleimigen Stühlen und tritt bei Kindern vorwiegend in den Sommermonaten auf. Weitere Anwendungsgebiete des Homöopathikums sind zudem ein mangelndes Wachstum oder Appetitlosigkeit bei Kindern von Rauchern. Auch bei sehr unruhigen Babys von rauchenden Müttern kann das Mittel eingesetzt werden, wenn die Unruhe in den Abendstunden sehr ausgeprägt ist. Das homöopathische Mittel Tabacum passt zu ängstlichen, schüchternen und launischen Kindern, die ständig das Gefühl haben, als würde jeden Moment etwas Schreckliches geschehen. Sie sind leicht entmutigt, schwer zu trösten und mögen nicht gerne alleine sein. In der Schule können Probleme auftreten, die in Verbindung mit einem geringen Selbstwertgefühl einhergehen und sich in Form von Stottern zeigen. Sie können aus Angst unter Durchfällen leiden und auch Konzentrationsschwierigkeiten führen dazu, dass sie viele Fehler beim Schreiben machen.

Im äußeren Erscheinungsbild zeigen Tabacum-Kinder meist aufgesprungene Lippen, eine eher spitze Nase, Sommersprossen und manchmal feine Äderchen im Gesicht.

Potenzen und Darreichungsformen von Tabacum

Bei einer Selbstbehandlung von akuten Beschwerden sind die typischen Potenzen des homöopathischen Mittels Tabacum die Potenzen D6, D12, C6, C12 und C30. Sie sind in Form von Globuli, Tropfen (Dilution) und Tabletten in den Apotheken erhältlich.

Während der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) bei der Selbstbehandlung von akuten Beschwerden die Potenz C12 für alle homöopathischen Arzneimittel empfiehlt, gibt es in der weiten Literaturlandschaft bezüglich der Wahl der Potenzen bei der Selbstbehandlung verschiedene Empfehlungen: So eignen sich für eine Selbstbehandlung bei einfachen und mäßigen Beschwerden auch die Potenzen D6 und D12, bei akuten Beschwerden die Potenz C30. C30-Potenzen befinden sich meist in den homöopathischen Haus-, Reise-, und Notfallapotheken.

Dosierung und Einnahme von Tabacum

Dosierung und Einnahme bei Erwachsenen

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) spricht sich bei der Selbstbehandlung akuter Beschwerden allgemein für die Potenz C12 aus. Eine Gabe entsprich nach der DZVhÄ 2-3 Globuli und bei Bedarf kann die Gabe bis zu viermal am Tag wiederholt werden. Die Globuli sollen während der Einnahme langsam im Mund zergehen und die Wirkung jeder Gabe sollte immer zunächst abgewartet werden, bevor eine weitere Gabe erfolgen soll. Tropfen (Dilution) werden in Wasser gelöst und über einen Plastiklöffel oder einer Pipette in den Mund geträufelt.

Weiter empfiehlt die DZVhÄ, jeweils 15 Minuten vor und nach der Gabe des homöopathischen Mittels möglichst weder zu essen noch zu trinken. Gleiches gilt für Kaugummis, Zigaretten, Zähneputzen und Ähnlichem. Im Idealfall beträgt der Zeitabstand etwa 30 Minuten. Im akuten Fall wird das homöopathische Arzneimittel sofort verabreicht.

Dosierung und Einnahme bei Säuglingen, Babys und Kindern

Die homöopathische Behandlung von Schwangeren und Kindern sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Frauenarzt, der Hebamme oder mit dem Kinderarzt erfolgen.

Allgemein wird empfohlen, dass Säuglinge (bis 12 Monate) pro Gabe 1 Globuli bekommen, Babys (2 bis 3 Jahre) nehmen 2 Globuli ein und größere Kinder (ab 3 Jahre) erhalten wie Erwachsene auch 3 Globuli pro Gabe. Säuglingen und Babys werden die Globuli zum Auflösen in die Wangentasche gegeben.

Homöopathische Tropfen (Dilution) werden üblicherweise in Wasser gelöst und entweder mit einem Plastiklöffel oder eine Pipette direkt in den Mund verabreicht. Es sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die flüssige Arzneimittelform aus bis zu 62-prozentigem Alkohol besteht und somit nicht für Kinder, Schwangere oder Alkoholkranke eignet ist.

Quellenverzeichnis

  • Henry C. Allen: Leitsymptome homöopathischer Arzneimittel. Urban &, Fischer Verlag, 2005
  • Gerhard Bleul, Dr. med. Patrick Kreisberger, Dr.med. Ulf Riker: Homöopathie – Das Nachschlagewerk für die ganze Familie. Südwest-, Verlag, 2009
  • William Boericke: Handbuch der homöopathischen Arzneimittellehre. Narayana Verlag, 2007
  • Constantin Hering: Kurzgefasste homöopathische Arzneimittellehre. Burgdorf Verlag, 1995
  • Roberto Petrucci: Kinder. 543 Homöopathische Arzneimittel- Hahnemann Institut für homöopathische Dokumentation, 2008
  • Phatak: Homöopathische Arzneimittellehre. Urban &, Fischer Verlag, 2004
  • Sven Sommer: Homöopathie, Gräfe und Unzer Verlag, 2006
  • Werner Stumpf: Homöopathie, Gräfe und Unzer Verlag, 2010